Schützenverein

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Ladenburg als Schützenstadt

Als im Jahre 1955 die 1. Schützengesellschaft Ladenburg ihr 60-jähriges Vereinsjubiläum feierte, ahnte noch niemand, dass man 8 Jahre später schon das 100-jährige Bestehen des Vereins feiern kann. 

Im Jahre 1959 hatte sich Folgendes zugetragen:

Oberschützenmeister Alfred Syrer, der nach Oberschützenmeister Theobald Schork im Jahre 1955 die Führung des Vereins übernahm, wurde vom Stadtoberhaupt, Herrn Bürgermeister Dr. Hohn auf das Rathaus bestellt, wo man ihm mitteilte, dass eine alte Schützenfahne aus dem Jahre 1864 gefunden wurde, welche dem Verein übergeben werden sollte. Anwesend bei dieser Bekanntgabe waren folgende Herren: Herr Bürgermeister Dr. Hohn, Ratschreiber Theo Weinmann, Feuerwehrkommandant und Stadtrat Georg Wolf, als Vertreter des ehemaligen Kriegerbundes 1870 – 71 Ladenburg Herrn Otto Hüffner, Julius Walter, Georg Kraus und als Vertreter der Schützengesellschaft Oberschützenmeister Alfred Syrer. Nachdem man nun wusste, dass eine so alte Fahne vorhanden war, stellte sich O.S.M. Syrer auf den Standpunkt, dass man dieser Angelegenheit nachgehen müsste, denn, wo eine Fahne ist, muss auch ein Verein sein. Nach langem, mühevollem Suchen in alten Akten, unterstützt von Herrn Dr. Hohn und Herrn Ratsschreiber Weinmann, fand man schließlich ein Schreiben aus dem Jahre 1863, in welchem die damaligen Schützen dem zu dieser Zeit amtierenden Bürgermeister Herrn Huben, mitteilen, dass sie eine Schützengesellschaft gegründet hatten und gleichzeitig die Gemeinde um Genehmigung und Anweisung eines geeigneten Geländes für Schießübungen baten. Am Neckarufer oberhalb der Fähre wurde den Schützen ein Gelände angewiesen, auf dem sie ihre Übungen abhalten konnten. Im Jahre 1864 wurde die Vereinsfahne geweiht.

Dann kam der Krieg 1870 – 71 und nach Beendigung desselben schloss sich die Schützengesellschaft mit dem gegründeten Kriegerbund 1870 – 71 zusammen, wo selbst die Fahne mit übernommen wurde.  Daher lautet auch die Inschrift der Fahne auf der einen Seite Schützengesellschaft und auf der Anderen Kriegerbund 1870 -71 Ladenburg. Im Jahre 1895 trennten sich die beiden Vereine wieder, doch die Fahne blieb beim Kriegerbund als Vereinsfahne. So kam es auch, daß die alte Schützenfahne mit der neuen Kriegerbundsfahne nach dem Kriege 1939 – 45 wieder aus dem Versteck geholt werden konnte.

Der heute noch lebende Herr Fritz Huben, der Enkelsohn des damals 1863 amtierenden Bürgermeisters Huben gab eine schriftliche Erklärung ab, worin er vorherig angeführtes bestätigt. Sein Wissen stand teils aus Erzählungen seines Großvaters, teils aus Erlebtem in eigener Kindheit. Herr Schnittspahn, Peter Engel, Apotheker Hohn, Ludwig Fuchs, Jakob Vogel und Heinrich Schneider waren die Männer, die 1895 der Schützengesellschaft Ladenburg wieder ihren Namen gaben und auf eigene Füße stellten. Den nun wieder gegründeten Verein wurde als Übungsstätte die Kiesgrube am Dossenheimer Weg zur Verfügung gestellt. Als die Schützen im hohen Alter erzählten sie oft von den schönen Stunden, die sie dort verlebt hatten. Auch die Söhne, welche als Kinder am Sonntag mit hinaus ins Schützenloch gehen durften, erinnerten sich gerne an die Zeiten und wissen mit welch alten Gewehren damals geschossen wurde, wie das Preisschießen abgehalten und wie auch oft für sie etwas ausgeschossen wurde. An Ostern hielt man das Osterhasenschießen, sowie am Pfingsten das Pfingstschießen, welches jeweils montags stattfand. Die Munition haben sich die Schützen selbst gemacht, die Kugeln wurden gegossen und das  Pulver abgewogen und so die Hülsen wieder geladen. Durch den Weltkrieg 1914 – 1918 wurde diese Tradition unterbrochen, das dort aufgebaute Haus war verfallen. Erst im Jahre 1923 wurde das Schießen wieder aufgegriffen und die 1. Schützengesellschaft Ladenburg erneut ins Leben gerufen. Die Übungsstunden fanden in der Kegelbahn im Gasthaus „Zum Schiff“ statt und zwar wurde mit Zimmerstutzen geschossen. Lokalwirt war Herr A. Lowinger. Der damalige Vorstand der 1. Schützengesellschaft war Herr Brannath und zwar von 1923 – 1926.

Im Jahre 1925 stiftete Herr Friedrich Engelhardt die Münzen für die Schützenkette und Herr Heinrich Müller hat dieselbe in mühevoller Arbeit zusammengefügt. Die Kette wurde für die höchste Ehre dem jeweiligen Schützenkönig zum Tragen für ein ganzes Jahr verliehen. Leider ist diese schöne Königs-Kette bei der Besatzung Ladenburgs im Jahre 1945 abhanden gekommen. Es wäre zu wünschen, dass der jetzige Besitzer sie doch eines Tages wieder zurückgibt, war die Kette doch der Stolz des Vereins und ist mit dem Stadtwappen, sowie mit der Inschrift „ 1. Schützengesellschaft Ladenburg“  versehen. Von 1926 – 1929 wurde in der Kegelbahn des Gasthauses „ Zum Rheingau“ geschossen. In dieser Zeit führte Herr Heinrich Müller den Vorsitz. Im Jahre 1929 traten 7 Kameraden aus der 1. Schützengesellschaft aus und gründeten einen neuen Verein „Zimmerstutzen-Gesellschaft 1929 Ladenburg“, welcher aber nur wenige Jahre lebensfähig war. Die 1. Schützengesellschaft wechselte deshalb ihr Lokal in den „Badischen Hof“, dessen Wirt seinerzeit Karl Reinwald war. In der am 17. Juni dort abgehaltenen Generalversammlung wurde Kamerad Schork zum Vorstand gewählt und dazu die bewährten Schützen wie Hermann Krauß, Adam Rehberger, Karl Kreter, Josef Seiler und Heinrich Müller. In dieser Versammlung wurde beschlossen, daß der Bau einer Kleinkaliber-Anlage im alten Schützenloch in Angriff genommen werden soll. Dazu wurde dasselbe von der Gemeinde Ladenburg unter dem damaligen Bürgermeister Koch auf 25 Jahre also bis 1954, gepachtet. Der Bau konnte auch durch die großzügige Unterstützung des verstorbenen Ehrenmitgliedes, Herrn Filsinger, sowie durch die aufopfernde Tätigkeit von Fräulein Trippmacher, Ehrenmitglied, sowie des Landwirtes Heinrich Kreter bald in Angriff genommen werden. Besonders muss unser Kamerad und jetziger Ehrenoberschießleiter Rehberger genannt werden, der unter der Leitung des heute noch nach 26 Jahren amtierenden Oberschützenmeisters, sowie seines damaligen Stellvertreters H. Krauß, die mustergültige Anlage in einjähriger Bauzeit erstellt hat. 

1931 konnte die Einweihung des Schützenhauses mit 10 Kleinkaliberbahnen gefeiert werden. Im Jahre 1933 wurde die Anlage erweitert, eine lebende Umzäumung mit Flieder und allerlei blühenden Sträucher geschaffen. Die Anlage wurde auf Albert-Leo-Schlageter-Gedächtnis-Anlage benannt und dessen Vater zu diesen Feierlichkeiten eingeladen. Bei dieser Gelegenheit hat sich unser Ehrenmitglied, Frl. Elisabeth Trippmacher, unvergängliche Verdienste erworben, hat sie doch erreicht, dass die Firma Mercedes-Benz, Mannheim, der 1. Schützengesellschaft den zu dieser Zeit modernsten Wagen mit Chauffeur und Betriebsstoff für 3 Wochen kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Ist sie doch persönlich mit diesem Wagen nach Zell in Wiesental gefahren und hat den Vater Schlageters nach Ladenburg gebracht. So hat Vater Schlageter, wie er selbst sagte, die 14 schönsten Tage seines Lebens in Ladenburg zugebracht. Er hat im Hause unseres großen Auto-Erfinders Benz gewohnt und wurde zum Ehrenbürger der Stadt Ladenburg ernannt. Die Denkmalweihe wurde von Herrn General Freiherr von Rottberg vorgenommen. Auf dieser Anlage blühte nun ein reges Leben im sportlichen Geist und Kameradschaft,  was auch der 1. Schützengesellschaft manchen Preis eingebracht hat. Im Jahre 1935 wurde die zweite Vereinsfahne angeschafft und eingeweiht, ein Schmuckstück, auf das die 1. Schützengesellschaft stolz sein kann. Anläßlich der Fahnenweihe haben die alten Schützen der 1. Schützengesellschaft irrtümlicherweise ihr das Gründungsjahr 1895 verliehen und gleichzeitig einen schönen Wanderpreis der Freibeuter mit entsprechender Widmung und Namen der Mitglieder gestiftet. Die 1. Schützengesellschaft verlieh aus diesem Anlaß den noch lebenden Mitgliedern die Ehrenmitgliedschaft. Es waren dies die Herren: Faller August, Frey Jean, Fuchs Ludwig, Hohn Max, Kahle Fritz, Kunz Ferdinand, Lehlbach Karl, Schneider Heinrich, Spieß Karl, Stenz Friedrich, Vogel Jakob, Wirth. 

Auch in den nachfolgenden Jahren mussten immer wieder Kämpfe um die Erhaltung geführt werden. So kam nun der 2. Weltkrieg und somit auch die totale Kapitulation im Jahre 1945, was zur vorläufigen Einstellung des Schießbetriebes veranlasste. In der Annahme, dass niemals mehr ein Schützenverein bestehen dürfte, wurde unsere Schießanlage an die Arbeiterwohlfahrt verpachtet und später an diese verkauft. Als im Jahre 1951 die Genehmigung zum Sportschießen wieder erteilt wurde, war es sehr schwer, ohne Anlage den Verein wieder aufzurichten. Unter der bewährten Führung von O.S.M Theobald Schork, unterstützt von Adam Rehberger und Josef Seiler, gelang es schließlich, den Verein wieder auf eine beachtliche Höhe zu bringen. Im Gasthaus „Zum Schwanen“ wurden die Schießübungen abgehalten. Lokalwirt war Ehrenmitglied Peter Remelius. Nach dem Fest, dem angeblichen 60-jährigen Vereinsjubiläum wurde der Verein immer größer. Das Lokal war nun zu klein und wir mussten uns ein neues suchen, was sehr schwer war. Ehrenschützenmeister Seiler machte in der Generalversammlung den Vorschlag, bei der TSG 1864 anzufragen, ob es nicht möglich wäre, auf dem Speicher der Jahnhalle einen Schießstand zu bauen. Dies wurde vom Turnrat bewilligt. Wir bauten uns wieder eine 10m-Schießanlage auf und zogen um in die Jahnhalle. Durch fleißiges Training gelang es uns, unsere Kasse wieder einigermaßen stabil zu machen und den Verein wieder eine neue Schützenkönigskette zu beschaffen. Im März 1960 wurde dann bei einem festlichen Abend durch Herrn Bürgermeister Dr. Hohn dem Verein die alte Schützenfahne übergeben, sowie eine Beglaubigungsurkunde der Stadt Ladenburg . O.S.M. Syrer stellte nun an die Stadt Ladenburg den Antrag auf Zuweisung eines Geländes zum Bau einer Kleinkaliber-Schießanlage im Schützenhaus. Bereitwillig überließ und die Gemeinde pachtweise auf 30 Jahre ein Gelände in der Nähe der ehemaligen Schießanlage. Unter Aufsicht unseres altverehrten  Schützenbruders Rehberger ging man an die Planierung des Geländes. Rehberger war auch diesmal wieder einer der ersten, der die Schaufel in die Hand nahm und trotz seines hohen Alters der Jugend mit gutem Beispiel voranging.

Wenn nun das 100-jährige Vereinsjubiläum gefeiert ist, wozu ich der 1. Schützengesellschaft alles Gute wünsche,

wird mit eigener Arbeitskraft der Mitglieder des Vereins die neue Anlage fertiggestellt werden. Den Mitgliedern rufe ich die Worte von Dr. Martin Luther zu: 

Und wenn die Welt von Teufel wär´
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es muß uns doch gelingen. 

Dies zum Wohle unseres Vereins und zum Wohle unseres Deutschen Schützenbundes. 

Alfred Syrer
O.S.M.

Das Schützenwesen in Alt-Ladenburg

Wie in allen mittelalterlichen Städten, so spielte auch in Ladenburg das Schützenwesen eine bedeutende Rolle. Wohl schon vom Mittelalter her bestand in Ladenburg eine Schützengesellschaft, die in früheren Jahrhunderten mit der Armbrust und später mit der Büchse vor dem Schriesheimer Tor, wo unter der alten Linde das Schützenhaus stand, ihr alljährliches großes Freischießen abhielt. Dabei strömte viel Volk aus der ganzen Umgebung herbei, so dass dieses Fest, zusammen mit der regen Teilnahme der Ladenburger Bürger, jeweils zu einem Ereignis von Bedeutung wurde. Es wurde dabei um ausgesetzte Preise geschossen, und ein fröhlicher Schmaus und Trunk des Schützenmeisters und seiner Schützen fand auf dem Marktplatz statt. Diese alten Ladenburger Schützengesellschaft, deren Schutzpatron St. Sebastian war, bestand bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts, ungefähr bis zur Zeit der französischen Revolution. Prof. Chr. Theophil Schuch erzählt 1843 in seiner „politischen und Kirchen-Geschichte von Ladenburg und der Neckarpfalz“, dass er bei seinem letzten Besuch in Ladenburg, wo er früher als Lehrer gewirkt hatte, über einen köstlichen und für die Geschichte unserer Heimatstadt wertvollen Schatz, den damals der Ladenburger Magistrat im Ratsschrank verwahrte, freudig  bewegt gewesen sei, nämlich drei große zinnerne Flaschen mit Schraubendeckel, deren Größe, sechs Pfund und zwanzig Loth schwer war und die Innschrift hatte:

Diese Flesch hat der römische Kayserliche Majestaet Rat und Sequester der Stadt Ladenburg Herr Johann Ludwig von Bettendorf den 29. Mai 1683 in Ladenburg zu verschießen geben“. 

Diese Flaschen sind heute noch erhalten und im Heimatmuseum zu sehen.

Der Kurpfälzische Weltpriester J. J. Kämmerer verzeichnete im Jahr 1789 in seiner „Geschichte der Kurpfälzischen Oberamtsstadt Ladenburg“:

Die Linde an dem Schriesheimer Tohre, welches wirklich neu aufgebaut ist, ist majestätisch und reizt den müden Wanderer zur Ruhe. Unter derselben ist ein Schießhaus angebracht, in welchem sich ehedessen eine große Schützengesellschaft mit allen Feierlichkeiten und einem außerordentlichen Zusammenflusse von Menschen aus den angränzenden Städten und Oertern ergözte“. 

In diese alte, knorrige, breit ausladende Linde vor dem Schriesheimer Tor fuhr in den 1890-er Jahren der Blitz, zündete das wuchtige Geäst, und sie starb dem Feuertod.

Im Jahre 1863 war die Schützen-Gesellschaft Ladenburg aufs neue erstanden. Am 26. April 1863 schrieb der spätere Bürgermeister von Ladenburg, Johann Peter Schaefer, an seinen in Marseille weilenden Sohn Conrad August Schaefer, den Vater von Heinrich Schaefer, dessen Aufsatz im „Schaefer-Buch“ wir alle diese Angaben entnommen haben, dass mehrere Bürger zusammengetreten seien, um einen Schützenverein in Ladenburg zu gründen. Am 16. Juni teilte er seinem Sohn mit, dass der neue Schützenverein aus 26 Bürgern bestehe, wovon aber nur 7 – 8 vollständig armirt seien. Der neue Verein nahm am 1. Badischen Landesschießen in Mannheim teil, doch fielen nur wenige Preise nach Ladenburg, da die Schützen hier auf die Scheibe noch wenig geübt waren. Am 31. Juli 1864 fand dann in Ladenburg das erste Schützenfest statt, verbunden mit Einweihung der Schützenfahne, die 150 Gulden

kostete und von den Frauen und Jungfrauen gestiftet worden war. Die Zahl der Schützen betrug damals schon 45 in Ladenburg. Das Programm der Festordnung ist in der Schaefer´schen Familienchronik noch erhalten. Festzug, Schießen, Festball im Gasthaus „Zum Anker“ bilden die Hauptbestandteile. – „Für anhalten der beiden Nachtzüge auf der Eisenbahnstation wird Vorkehr getroffen“, so wird auf dem Programm vermerkt. Festgedicht und Festgesang sind ebenfalls noch erhalten, gedichtet von W. Scholl.

Man sieht aus diesen Angaben, dass das Schützenwesen in Ladenburg auf einer alten Tradition beruht und auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. 

Cornel-Serr